MGH

Mehrgenerationenhaus Haunetal: KulturScheune Lange Wiese 2007

Im September 2006 wurde die KulturScheune Lange Wiese als eins der ersten 59 Mehrgenerationenhäuser ausgewählt. Beworben hatte sich der Verein, weil die Mitglieder in diesem Projekt eine Chance für die Marktgemeinde Haunetal sahen, Weichen zustellen für gemeinschaftliche zukünftige Aufgaben innerhalb der Gemeinde.

Hintergrund

Der demografische Wandel führt dazu, dass gerade in Nord- und Osthessen junge Menschen die Dörfer verlassen und in die Zentren ziehen. Die Dörfer werden heute schon überwiegend als Wohndörfer genutzt. Ländliches Leben verschwindet von den Straßen, die Bauernhöfe haben wenig Perspektive. Die Frauen suchen nach Beschäftigung und Möglichkeiten, Familie und Beruf vereinbaren zu können. Insgesamt gibt es weniger Kinder und innerhalb der Dörfer wenig Kinder und Jugendliche einer Altersgruppe. Traditionen verschwinden. Der Bezug zum ländlichen Lebensraum geht verloren. Das Spielen auf den Straßen und Plätzen, in den Gärten und Feldern wird seltener. Der Kontakt zur Natur und das Leben im Jahreskreislauf werden selbst in den Dörfern weniger gepflegt. Der Bezug zu einem Leben im Jahreskreislauf geht verloren. Es bleibt wenig Zeit für Vereins- und Gemeinwesenarbeit. Viele ältere Menschen sind in vielen Vereinen tätig, die jüngeren sind zeitlich oft so beansprucht, dass für Ehrenämter wenig Raum bleibt. Der Rückzug ins Privatleben, die Macht der neuen Medien und die individuelle Gestaltung der Freizeit als Gegenpart zu den Anforderungen und Festlegungen im beruflichen Alltag machen langfristige Planungen schwer und reduzieren die Bereitschaft, sich in der Freizeit in feste Strukturen und Verpflichtungen einzubinden. Sehr oft hört man von den in mehreren Vereinen und Gremien engagierten Menschen die Not der zu hohen Belastung. Großeltern wohnen zwar häufig noch in der Familie oder Nähe ihrer Kinder und Enkel, viele leben jedoch auch allein und haben wenige Möglichkeiten ihren Lebensalltag ohne Hilfe zu gestalten, da es in den Dörfern wenig Infrastruktur und Verkehrsanbindung gibt.

Veränderungen und Perspektiven

Um eine Gemeinde attraktiv und ein Gemeinwesen lebendig zu erhalten und zu machen bedarf es jedoch der Anstrengung vieler Menschen. Dies erfordert neues Denken bezogen auf eine Gemeinde. In den einzelnen Ortsteilen wird es in den nächsten Jahren zu strukturellen Veränderungen kommen, wenn ältere Generationen den bisherigen Aufgaben nicht mehr gewachsen sind. Daher ist es zunehmend notwendig nach Entlastungen zu suchen. Hier bieten Kooperationsprojekte und Vernetzungen innerhalb der sehr ländlich strukturierten Kommune Lösungsmöglichkeiten. Die Zeiten, in denen jeder Ortsteil sein wohl funktionierendes Gemeinwesen ausbauen konnte, schwinden.

Was sind die Ziele des Mehrgenerationenhauses Haunetal?

Die bisherige generationsübergreifende Arbeit innerhalb der Gemeinde wird weiter ausgebaut. Das Mehrgenerationenhaus Haunetal wirkt dezentral in den Dörfern und ist der Überbegriff für eine aktive Gemeinde, in der an verschiedenen Standorten Menschen wirken. Es ist Treffpunkt, Anlauf- und Koordinierungsstelle für vielfältige Aktivitäten innerhalb einer familienattraktiven Gemeinde. Das MGH führt an verschiedenen Orten Alt und Jung, Einheimische und Neubürger oder Besucher zusammen und installiert eine Erfahrungswerkstatt, in der Alt und Jung voneinander lernen können.

Das MGH ist ein Zentrum der Begegnung., von dem aus Impulse in die Gemeinde und in die Region ausgehen. Den Menschen ist das Dorf auf vielfältige Weise „erfahrbar“, Tradition und Moderne begegnen einander, verlorenes Wissen wird wieder gewonnen und vermittelt, das gestern mit dem Heute verknüpft, der Beschleunigung mit „Entschleunigung“ begegnet und zeitgemäße Entwicklungen berüchsichtigt.

Lebensbegleitendes Lernen von Alt und Jung ist das Credo einer kommunalen Neuorientierung bei der Vernetzung innerhalb der Gemeinde, der Vereine, der Kirchen und interessierten Bürgern.

Ausblick

Haunetal wird auch in Zukunft Mittelpunkt vieler Begegnungen, Aktivitäten, Veranstaltungen und Bildungsimpulse sein. Hier gibt es Treffpunkte. Es gibt Angebote von älteren für jüngere Menschen (z.B. Hausaufgabenhilfe, Leseförderung, Kochkreise, etc). Hier finden Angebote zum jahreszeitlichen Ablauf von Landleben statt (z.B. „Der Natur auf der Spur.“, „Von der Knolle zur Kartoffel.“, „Kochen einst und heute.“, „Vom Baum zum Tisch“., etc.). Es gibt Kooperationen und Partnerschaften unter den Dörfern, Vereinen, der Kirchen, den Schulen, Kindergärten und regionalen Betrieben. Es gibt eine Kontaktsstelle, bei der man Hilfestellungen im Haushalt, beim Einkauf oder Arztbesuch oder Beratung in verschieden Bereichen anfragen kann. Es gibt ein gemeindliches Netzwerk und ortsteilübergreifende gemeinsame Aktionen z.B. „Kulturelle Landpartie Haunetal“ oder „Spaziergang durch die Gemeinde“ oder „Tag der offenen Gemeinde“ bei der sich jeder Verein, jede Initiative, jede Gewerbebetrieb, jedes Projekt, jeder Bürger vorstellen kann.

Ein Fernziel ist, eine Bürgerstiftung ins Leben zu rufen, die innerhalb der Gemeinde finanzielle und zeitliche Ressourcen bündelt und die Zusammenarbeit der Gemeinde, Kirchen, der Vereine und der ortsansässigen Betriebe im Hinblick auf ein weiteres lebendiges Gemeinwesen etabliert. Ziel ist die Vernetzung der Aktivitäten in einem stärkeren Maße als bisher, die Erhöhung der Attraktivität und Effektivität, der Synergieeffekte und die Schaffung nachhaltiger Strukturen.

Standort KulturScheune Lange Wiese

In der KulturScheune Lange Wiese Wehrda hat die Hermann Lietz-Schule verschiedene Schülerfirmen installiert, die Dienstleistungen anbieten. Ein Schwerpunkt der derzeitigen Arbeit ist das Café Lange Wiese, das von einem der Schülerunternehmen geführt wird und das hier bereits Diavorträge von Senioren für Senioren in Zusammenarbeit mit der KulturScheune Lange Wiese anbietet.

Das Schülerunternehmen Dorfladen bietet regionale Produkte an und das Schülerunternehmen Verflixt sauber Dienstleistungen im haushaltsnahen Bereich.

Mit den Schülerunternehmen gemeinsam soll die generationsübergreifende Arbeit erweitert werden. Es wird Angebote für Kinder im Bereich Leseförderung geben, Filme für Kinder werden in Kooperation mit dem Verein und dem Kirchspiel Wehrda-Rhina angeboten und das Schülerunternehmen Haunetal online bietet im Computerbereich Wissensvermittlung und zusammen mit dem Café ein Internetcafé.

Ideen und Aktivitäten

Erfahrungswerkstatt

Ansprechpartner

Schulen, Kindergärten, Familien, Kinder

Inhalt

Es werden Angebote installiert, die das Leben, die Natur, die landwirtschaftliche Arbeit beleuchten.

Beispiele
  • *Im Frühjahr wird ein Kartoffelacker angelegt und bis zur Ernte betreut.
  • *Der Landwirt nebenan bietet an, die Aufzucht eines Kälbchens bis zur Auktion mitzuverfolgen (Muttertierhaltung).
  • *Der Förster führt durch seinen Wald, es entsteht ein Naturlehrpfad
  • *Ein Vierjahreszeitengarten wird angelegt
  • *Handwerker bieten z.B. Schulklassen an, ihre Werkstätten zu besuchen oder stellen im Rahmen von Ausstellungen ihr Handwerk vor
Effekt

Das Landleben wird erleb- und erfahrbar. Familien erleben Natur gemeinsam. Erfahrungen werden weitergegeben, Wissen wird vermittelt und erlebbar gemacht

Gesundheitslernen

Ansprechpartner

Schulen, Kindergärten Familien

Inhalt

Angebote im Bereich gesunde Ernährung, Bewegung, natürliche Gesundheitsvorsorge, Entspannung

Beispiele
  • *Vorträge und Führungen zum ökologischen Landbau, Gesunde Lebensführung,
  • *Anlegen eines Biogartens
  • *Kochkurse mit Kindern/ Erwachsenen
  • *Workshops: Bewegung/Entspannung
Effekt

Aufklärung, Veränderung der Gewohnheiten

Beratungsservice

Ansprechpartner

Schulen, Jugendliche, Kinder

Inhalt

Unternehmer, Senioren vermitteln ihr Wissen und beraten.

Beispiele
  • *Vorträge über Berufswelt
  • *Informationsbörse Berufswelt
  • *Ausstellungen zu Berufsfeldern
Effekt

Austausch zwischen den Generationen, Vorbereitung auf Berufswelt

Dienstleistungsservice

Ansprechpartner

Senioren, Familien

Inhalt

Kontaktbörse für unterschiedliche Dienstleistungen und soziale Tätigkeiten

Beispiele
  • *Angebote der Schülerunternehmen der Hermann Lietz-Schule
  • *Vermittlung von Angeboten im professionellen Dienstleistungsbereich
  • *Vermittlung von Angeboten im Ehrenamtsbereich
Effekt

Kontakte zwischen den Generationen, Versorgung kranker, älterer Mitmenschen, Hilfe bei Suche nach geeigneten Anbietern

Treffpunkte schaffen

Ansprechpartner

alle

Inhalt

Wiederbelebung alter Treffpunkte, z.B. Dorfplatz, Kommunikation fördernde Betätigungen initiieren

Beispiele

Unverbindliche spontane kommunikative/sportliche/gemütliche Aktionen die zum Mitmachen anregen und an denen jeder teilhaben kann

Effekt

Wiederbelebung dörflichen Lebens

Ahnen- und Familienforschung

Ansprechpartner

Regina Rusch (Autorin)

Inhalt

Eigene/Familien/Geschichte erforschen

Beispiele

Workshops, Recherche in alten Kirchenbüchern, Spinnstube.

Effekt

Herstellen gemeinsamer Bezüge, kennen lernen der eigenen Familiengeschichte, Austausch

Aufbau eines gemeindlichen Netzwerkes

Ansprechpartner

Alle Gemeindemitglieder, Vereine, Verbände, Organisationen, Unternehmen, Kirchen

Inhalt

Kooperationen und das Erreichen einer optimalen Zusammenarbeit

Beispiele

Tag der offenen Gemeinde, Feste rund um den Bauernmarkt, Datenpool,

Effekt

Die Gemeinde wird in der Region und darüber hinaus bekannt, es entstehen Synergien, mehr Kommunikation untereinander, dadurch mehr Verbundenheit und Interesse